Der Regional Park La Brière

Der Regionalpark La Brière weist eine der reichhaltigsten Feuchtzonen Europas auf. Seine aquatische Umwelt befindet sich in konstantem Wandel und ist das Werk von mehreren Generationen, welche beispielsweise Kanäle anlegten, Torf abbauten, Schilfdachhäuser bauten…
In unmittelbarer Nähe La Baules und der Salzgärten von Guérande gelegen, überrascht dieses Naturschutzgebiet gerne seine Besucher. Am besten gelingt dies mit einem Bootsaufflug in einem  Chaland, der ortstypischen, flachen, schwarzen Barke, die sanft über das weitläufige Kanalsystem gleitet und die Feuchtzonen von ihrer schönsten Seite entdecken lässt.

 
Le Parc naturel régional de Brière - Fédrun
1970 wurde dieses Naturschutzgebiet in die Klassierung der französischen Regionalpärke „Parc naturel régional“ aufgenommen, ganz im Sinne von nachhaltiger Bewirtschaftung, aber auch dank seiner reichhaltigen Landschaft und erhaltenswertem Kulturgut. Eine spezielle Charta regelt die Pflichten und Ziele des Parks und wird alle 12 Jahre angepasst. Lust auf mehr Informationen? Gehen Sie auf die Webseite:  www.parc-naturel-briere.fr

 

 

Dédales de canaux - Parc naturel régional de Brière

Der Teil "Grande Brière"

Das Sumpf- und Moorgebiet bietet ein buntes Mosaik an Kanälen, seichten Wasserflächen, Schilf, Böschungen und Weideland, welches je nach Jahreszeit überflutet wird. Es hat nicht nur eine reiche Vogelwelt, sondern man findet auch viele Süßwasserfisch Arten und eine vielfältige Flora.

Während langer Zeit lebten die Brière-Bewohner quasi in Autarkie dank Fischfang, Jagd und Tierzucht sowie dem Schilf, welches dazu diente die heute denkmalgeschützten Schilfdachhäuser zu decken. Der Torfabbau erlaubte, energetisch unabhängig zu sein, war aber gleichzeitig auch der einzige vor Ort vorhandene Brennstoff.
Langsam aber sicher hat sich dies geändert. Viele Brière-Bewohner fanden besser bezahlte Arbeit dank dem Schiffs- und Flugzeugbau in Saint-Nazaire. Dadurch hat sich auch die Lebensart geändert: Fischfang und Jagd wurden zu Freizeitaktivitäten, die Tierzucht ging zurück, der Schilf „wucherte“ und der Torfabbau wurde eingestellt. Trotz einer besonderen Verbundenheit zu ihrer Brière, bewirtschaften die Einheimischen diese Feuchtzone nicht mehr wie früher.

Die Brière, eine juristische Besonderheit!

Der Teil Grande Brière Mottière verfügt über einen ungewöhnlichen juristischen Status, der sagt, dass dieser Sumpf- und Moorteil allen Einwohnern der 21 Anliegerkommunen gemeinsam gehört! Diese Besonderheit besteht seit dem Jahr 1461, als der bretonische Herzog François II. den Brière-Einwohnern diesen Besitz in einem offiziellen Dokument zugesprochen hat. Bis heute hat sich nichts an diesem Recht geändert: die Einwohner können sich an ihrem Besitz erfreuen und ihn selber verwalten.
 

Fauna und Flora des Regionalparks La Brière

Gorge bleue à miroir
Die vielfältige Fauna und Flora des Parks und der Salzgärten von Mès erlaubten im Jahr 1995 eine Aufnahme in die internationale Konvention von Ramsar (ein Dokument, welches 1971 im Iran unterzeichnet wurde).
 

Einzigartige Landschaften...
 

Geheimnisvolle Schilfhaine

Das Schilf deckt heute praktisch die Hälfte des Sumpf- und Moorgebietes La Brière ab. Sein grünes Frühjahrskleid oder sein blondes Herbskostüm sind nicht nur eine Augenweide für die Besucher, sondern bieten ideale Verstecke für geschützte Arten wie die Westschermäuse (Arvicola sapidus), Bartmeisen, Rohrdommeln und –weihen… Helophyten, Binsengras oder Rohrkolben bieten Schutz für weitere Arten.

Feuchtwiesen

Die Feuchtwiesen sind allgegenwärtig im Regionalpark La Brière und erlauben, dass dieser in Frankreich an erster Stelle steht, was den Schutz und das Erhalten von seinem außerordentlichen Pflanzengut betrifft. Da die Brière in der Nähe der Mündungsstelle der Loire liegt, ist es nicht erstaunlich, dass vor langer Zeit bei Springfluten Brackwasser bis hierher vorgedrungen ist. Pflanzen wie die Tamarisken, die Eibische oder der Trifolium Squarrosum-Klee bestätigen dies.

Regelmäßig findet man auch Wiesel, Hermeline oder den europäischen Feldhasen, die ihr Revier großzügig mit Zugvögeln wie den Uferschnepfen, Kampfläufern, Sumpfohreulen, Spießenten… teilen. Im Frühjahr laden die Kleinen Wasserfrösche (Pelophylax lessonae) zu einem Froschkonzert und Hechte und Karpfen organisieren ebenfalls ihre Stelldichein. Das regelmäßige Weiden und Abmähen der Feuchtwiesen ist ein wichtiger Beitrag um diese reichhaltige Vielfalt zu erhalten.
 

Kanäle und Wasserflächen

Sobald man eine Erhöhung oder eine bewohnte Brière-Insel verlassen will, trifft man auf einen Kanal, der wiederum zu anderen Wasserflächen, wie die Copis und die Piardes z.B. die „Piarde à Julot“ oder die „Piarde à Eugène“ führt. Sie tragen alle einen Namen und sind seichte Wasserflächen, die durch den Dorfabbau entstanden sind.

Im Frühjahr „explodieren“ diese Wasserflächen unter einer reichhaltigen Vegetation: die einen schwimmen an der Oberfläche (Wasserlinsen, Froschbiss…), andere strecken ihren Kopf aus dem seichten Wasser, umranken oder schmücken dank ihren bunten Blütenblättern wie die Seerosen oder die Wasserschläuche (Utricularia). Inmitten dieser Vegetation trifft man auch viele Insekten, Amphibien und Fische an, die wiederum als Nahrung dienen für zahlreiche Vögel (Schwalben, Reiher, Wasserhühner…) und Säugetiere wie den Otter. Doch seit 1990 wird diese Harmonie durch den Flusskrebs von Louisiana gestört. Dieser Eindringling verursacht große Veränderungen und bedeutet eine große Gefahr für das gesamte ökologische Gleichgewicht der Brière.

Die Salzgärten von Mès

Zum Regionalpark La Brière zählen auch die Salzgärten von Mès. Diese Salzgärten und ihr Wattenmeer sind eine weitere Zone, die über viele Zeigerpflanzen verfügt, die man nur in feuchten und gleichzeitig leicht salzhaltigen Böden findet. Diese Vielfalt sorgt für reichhaltige Nahrung und zieht viele Vögel an, die die Gegend als Winterquartier wählen.
 

60% der Schilfdachhäuser befinden sich in der Brière

Chaumière typique de Brière - village de Bréca
Zur Zeit zählt der Regionalpark mehr als 3'000 schilfgedeckte Gebäude (Wohnhäuser und Nebengebäude), was rund 60% der französischen Chaumières (Schilfdachhäuser) ausmacht. Dieses reiche Kulturerbe verdankt man insbesondere den Bestrebungen des Parks und der einheimischen Politiker (Kommunen & Region), die deren Renovationen und Instandhaltung finanziell unterstützten.

Im Schilfdachbau spezialisierte Dachdecker, ein altes Handwerk

Die Brière-Bewohner hatten sehr schnell entdeckt, dass das Schilf ein hervorragender Dämmstoff war. Sie machten kompakte Bündel, die von unten nach oben gleichmäßig auf den Dächern angeordnet wurden, und somit gleichzeitig nicht nur isolierend, sondern auch ästhetisch schön und wärmend waren. Bald entwickelte sich somit in der Brière ein neues Handwerk: die im Schilfdach spezialisierten Dachdecker. Doch begnügten sich diese Handwerker nicht mit ihrer eigenen Technik, sondern verfeinerten letztere dank anderen Varianten – speziell anhand der holländischen Methode, die sie vor Ort studierten und die ihnen erlaubte, die eigenen Schilfdächer zu verbessern.

Ein Handwerk, das nicht aus der Mode kommt

Es braucht nicht nur viele Arbeitsschritte, bis ein Strohdachhaus fertig gedeckt ist, sondern es braucht auch viel Beobachtungsgabe und Liebe zum Detail, wenn es beispielsweise darum geht, den Dachfirst aus einer Mischung von Tonerde und Torf auf speziellen Gittern anzubringen. Kein Wunder sind die Schilfdachhaus-Spezialisten gefragte Fachleute, die mit ihrem Wissen und dank ihrer Erfahrung dieses Handwerk weiterleben lassen und einen großen Beitrag zur architektonischen Besonderheit der Brière leisten.
  • Réserve ornithologique P. Constant - st Malo de Guersac
  • Balade en barque et en calèche au coeur de la Brière
  • Chaumière de Brière - village de Kerhinet à St-Lyphard
  • Ibis sacrés et vaches dans les marais
  • Balade à cheval dans le village de Kerhinet
  • Chaumier au travail - Ile de Fédrun
  • Chevaux dans prairies humides de Brière